Über prager-zeitung.online

Wir schreiben ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte der „Prager Zeitung“ (PZ). Mit dem Magazin „prager-zeitung.online“ führen wir eine große Tradition fort. Denn die PZ ist eines der ältesten Medien der Welt. Sie kann sich auf einen Vorläufer aus dem Jahr 1672 berufen. Bereits seit 1814 heißt sie endgültig „Prager Zeitung“.

Nach der Revolution in der Tschechoslowakei wurde dort die deutschsprachige „Prager Zeitung“ neu gegründet und zwischen 1991 und 2016 in Deutschland, Tschechien, Österreich und der Schweiz verkauft. Gelesen wurde sie aber auch in anderen Ländern, wie Frankreich oder den Niederlanden. Dies bewiesen Zuschriften an die Redaktion.

Danach gelang es, die „Prager Zeitung“ bis 2022 online weiterzuführen (pragerzeitung.cz). In jenen Jahren erweiterte sie ihre Basis an sehr treuen Lesern aus der Zeit der gedruckten PZ. Vor allem durch viele junge Nutzer. Speziell während der Corona-Jahre. Und nahezu ohne finanzielle Mittel und fremde Hilfe. Stattdessen aus purem Idealismus.

Für diese erste Online-Ausgabe der PZ schrieb der Autor von „prager-zeitung.online“ in viereinhalb Jahren mit Begeisterung genau 150 Beiträge – ohne einen einzigen Cent bzw. Heller damit zu verdienen. Bis zu dem Tag, an dem Idealismus allein nicht mehr ausreichte, die Seite weiter zu betreiben.

Weiter geht’s!

Auch heute fehlen Geld und Personal. Aber es ist möglich, die „Prager Zeitung“ als Online-Magazin neu zu beleben – unter dem Namen „prager-zeitung.online“. Anders als Zeitungen, Fernseh- oder Radioanstalten, die mit viel Mitteln und Menschen ihre Online-Ausgaben gestalten können. Doch ein wesentliches Ziel ist damit erreicht: Der Titel „Prager Zeitung“ lebt weiter und landet nicht endgültig auf dem Müllhaufen der Mediengeschichte.

Allerdings haben sich die Zeiten seit der Gründung der PZ stark verändert. Deutsche interessieren sich heute deutlich weniger für Tschechien als nach der Revolution von 1989. Dies wurde und wird in vielen Gesprächen des Autors in Deutschland immer wieder deutlich. Ergebnis: Prag als Reiseziel – Ja. Weitere Nachrichten aus Tschechien oder tiefere Kenntnisse über Prag und das Land – Muss nicht sein.

Diesem Umstand muss „prager-zeitung.online“ Rechnung tragen. Weil Infos aus und über Tschechien immer weniger Interesse finden, müssen die deutsch-tschechischen Beziehungen deutlich gestärkt werden! Sie haben sich in den Augen von vielen Beobachtern inzwischen normalisiert. Doch sie sind noch längst nicht „die besten Beziehungen aller Zeiten“, über die bei Schnittchen in Deutschland und Chlebíčky in Tschechien so gerne schwadroniert wird.

„Influencer“ für die deutsch-tschechischen Beziehungen

Mehr als früher wollen wir sie künftig aus deutscher Sicht beleuchten. Unser vorrangiges Ziel ist, diese Beziehungen mehr im Bewusstsein von Deutschen zu verankern und weiter zu vertiefen, nachdem sie Tschechien nicht mehr wirklich spannend finden. Wir verstehen uns – in neudeutschen Worten – gleichsam als „Influencer“ für die deutsch-tschechischen Beziehungen über die Plattform „prager-zeitung.online“!

Schon immer berichtete die „Prager Zeitung“ mehr und intensiver über die Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen als andere Medien. Deshalb hat die PZ auch Verbindungen und Verbundenheit zwischen beiden Ländern aufgespürt, die andere Berichterstatter nicht erkannt haben oder nicht für nennenswert hielten.

Und aus diesem Grund war die „Prager Zeitung“ für viele Leser und Nutzer über Jahrzehnte hinweg auch DAS Sprachrohr für die deutsch-tschechischen Beziehungen. Weshalb nicht wenige von ihnen ein kompetentes und engagiertes Team lange mit Spenden und Anzeigen unterstützten.

Basis entscheidend

„prager-zeitung.online“ will Anwalt und Botschafter dieser Beziehungen in Deutschland sein. Denn nur wer sich kennt und versteht, wird sich auch akzeptieren. Wir folgen damit gerne einem Postulat von Tschechiens ehemaligem Außenminister Karl von Schwarzenberg. „Hohe Politik kann nur die Weichen für die deutsch-tschechischen Beziehungen stellen“, konstatierte er vor einigen Jahren in einem Gespräch mit dem Autor in Prag, „wie sie sich tatsächlich gestalten, wird jedoch in Schulen oder Vereinen bestimmt.“

In den letzten Jahren hat sich zudem die Medienlandschaft durch die sogenannten sozialen Medien stark gewandelt. Es braucht heute neue Darstellungsformen, sozusagen eine „modernere“ PZ. Unser Slogan daher: Mehr interessante Menschen statt trockene Nachrichten, mehr buntes Feuilleton statt reine Fakten.

Berichten wird „prager-zeitung.online“ deshalb persönlich und individuell. In Stil und Sprache. Mit Meinung, Urteilen, Erinnerungen, Erfahrungen. Viel öfters als in Zeitungen. Wie in Blogs nicht unüblich.

Berichterstattung: Professionell

Sinn macht auch eine größere Themenvielfalt. Bei „prager-zeitung.online“ erfolgt deren Wahl nach subjektiven Aspekten: Aufgegriffen wird, was dem Autor mit Blick und Bezug auf die deutsch-tschechischen Beziehungen wichtig erscheint.

Trotz des wesentlichen Augenmerks auf subjektive Darstellungen liefert „prager-zeitung.online“ zugleich weiterhin objektive Beiträge. Etwa exklusive Interviews. In verschiedenen Rubriken. Und stets mit hohen journalistischen Ansprüchen! Also so, wie es für die „Prager Zeitung“ zwischen 1991 und 2022 immer erste Regel war.

Denn die Berichterstattung erfolgt auf der Basis von mehr als 40 Jahren professioneller journalistischer Erfahrung des Autors.

Mit einem Augenzwinkern

Schon in der Vergangenheit pflegten wir humorige Betrachtungen über das (Zusammen-)Leben, in Glossen und Satiren. In den Anfangsjahren der PZ in einer Rubrik namens „Prager Guckkasten“, später im „Pulverturm“.

Glossen – wie Humor generell – sind nicht jedermanns Sache. Darüber lässt sich auch nicht diskutieren: Entweder man findet sie Weltklasse oder Kreisklasse – um in der Sprache des Sports zu bleiben. Eine große Zahl von Lesern gab der PZ jedoch zu verstehen, dass sie solche Glossen unbedingt wünschen – weshalb der „Pulverturm“ in der gedruckten PZ-Ausgabe in den letzten Jahren sogar auf Seite 1 landete.

Diese Tradition werden wir fortsetzen und immer wieder Themen mit einem Augenzwinkern behandeln. Sofern sich ein Thema dafür anbietet – oder einfach nicht anders zu betrachten (bzw. zu ertragen) ist als auf diese Weise.

Breiterer Horizont

Die deutsch-tschechischen Beziehungen sind mittlerweile jedoch auch in einem größeren Kontext zu denken: Als Bestandteil der europäischen Beziehungen. Auch dies muss „prager-zeitung.online“ berücksichtigen und deshalb Themen auswählen, die nicht zwangsläufig und ausschließlich einen Bezug zu den deutsch-tschechischen Beziehungen und Tschechien haben müssen.

Sie können auch von allgemeiner Relevanz sein, etwa im Gesundheitswesen – und damit trotzdem Deutsche wie Tschechen gleichermaßen interessieren. All dies ist freilich nicht neu für die PZ: Schon die gedruckte „Prager Zeitung“ veröffentlichte regelmäßig ihre Rubrik „Blick zum Nachbarn“ sowie eine ständige Mitteleuropa-Seite oder spezielle Beilagen, besonders zum Thema „Gesundheit“.

Diesbezüglich orientieren wir uns auch an den Tschechen: Sie pflegen ein besonderes Verhältnis zum slowakischen Bruderstaat – blicken aber gleichwohl auf viele andere Länder in Europa. Und besonders auf den großen Nachbarn Deutschland. Das erfährt schon, wer tagsüber in Prager Cafés und nachts in Prager Kneipen sitzt. Immer wieder fällt dort der Name „Německo“.

„prager-zeitung.online“ sieht sich als ein europäisches, als ein internationales Magazin – und auch damit knüpfen wir an die Tradition der PZ an. Aus gutem Grund bezeichnete sie sich selbst auf ihrer Titelseite als „Wochenjournal aus der Mitte Europas“. Dass sie stets über Ländergrenzen hinweg rezipiert wurde, haben wir bereits zu Beginn erläutert.

Buch über die „Prager Zeitung“

Die jahrhundertealte Geschichte der „Prager Zeitung“ als Informationsquelle für Deutsche, Tschechen und Europäer wird in einem Buch rekapituliert, das kürzlich erschienen ist. Darin wird vor allem die moderne PZ ab 1991 beschrieben. Zugleich werden die einzelnen Etappen seit der Gründung dokumentiert.

Sein Titel: „Prager Zeitung – 350 Jahre Medien- und Kulturgeschichte“.

Dieses Buch haben mittlerweile die wichtigsten deutschen und tschechischen Bibliotheken in ihren Bestand aufgenommen, es kann an zahlreichen Universitäten und in Institutionen genutzt werden.

Auch in den USA liegt das Buch aus, in der New York Public Library ebenso wie an den großen amerikanischen Universitäten, etwa in Stanford oder Harvard. Darüber hinaus steht es auch an einer Hochschule in Shanghai zur Verfügung. Als E-Book wird es an Einrichtungen von Den Haag bis Athen angeboten – und sogar in Botswana.

Problem: Geld – nicht Inhalte!

Mit exklusiven Artikeln, Interviews und Kommentaren besetzte die PZ in der Vergangenheit einen festen Platz in der Medienlandschaft. Deutlicher Beweis dafür war, wie oft sie von anderen Medien zitiert wurde. Diese große Resonanz wird im Buch „Prager Zeitung – 350 Jahre Medien- und Kulturgeschichte“ detailliert aufgelistet.

Denn die „Prager Zeitung“ scheiterte seit 1991 niemals mit ihren Inhalten, sondern immer nur an zu geringen finanziellen Mitteln. Notwendig war sie vor allem auch wegen ihrer Völker verbindenden Funktion – und deshalb wichtiger als manch anderes Medium. Das ist sie bis heute.

„prager-zeitung.online“ ist nun – in einem Satz – das Forum eines langjährigen Journalisten und Buchautors, der trotz vieler Begrenzungen und Hemmnisse die „Prager Zeitung“ nicht sterben lassen will, die er seit den Gründungstagen in den 1990ern mitträgt. Und deshalb ein neues Medium ins Leben ruft, obwohl rundum immer mehr Medien ihr Erscheinen einstellen (müssen).

Wer weiß, vielleicht findet sich im Lauf der nächsten Zeit doch wieder ein Investor, der die „Prager Zeitung“ auf eine breitere Basis stellen will.

Wir starten daher voller Optimismus.