Die olympische Flamme in Mailand ist erloschen. Wahre TV-Olympioniken brauchen jetzt einen klaren Plan, um die Zeit bis zu den nächsten Olympischen Winterspielen im Jahr 2030 zu überstehen. Und von denen gibt’s in Tschechien wie Deutschland mehr als vermutet. Was die enormen Einschaltquoten in beiden Ländern bei Olympia 2026 belegen.
Auch in Norditalien funktionierte die deutsch-tschechische Zusammenarbeit. Schon im letzten Jahr bereiteten Nordische Kombinierer aus Tschechien ihre Saison erstmals mit deutschen Kollegen vor. Der Alpine Jan Zabystřan schloss sich ebenfalls dem deutschen Team an, bald darauf gewann er überraschend das Super G-Rennen beim Weltcup in Gröden.
Während Olympia 26 teilten sich nun die Biathlon-Verbände eine Unterkunft. Dann hatten zwei deutschen Biathletinnen ein paar Tage lang Magen. Also Magenprobleme. Ebenso eine tschechische Athletin und ein tschechischer Betreuer. Lag daran, dass sie was gegessen, was sich nicht gut auf den Magen auswirkte, hieß es offiziell.
Vertrugen die Leidenden kein tschechisches Gulasch? Nachdem die Sportler aus einer gemeinsamen Küche versorgt wurden. Nein, unmöglich, keinesfalls seien die Köche Schuld – bemühte man sich in meist gut unterrichteten Kreisen, sofort kundzutun.

In Deutschland wie Tschechien stießen die Übertragungen aus Mailand und den anderen olympischen Stätten in Norditalien auf überragende Resonanz. Deutschlands öffentlich-rechtliche Sender meldeten im Schnitt fast 3,3 Millionen Zuschauer – täglich. Unter ihnen unerwartet viele zwischen 14 und 29 Jahren. Was sicher an Halfpipe und Slopesytle lag und weniger an Piste und Loipe.
Auch im tschechischen Fernsehen wurden Rekordwerte gemessen: Fast zwei Millionen Zuschauer mehr als vor vier Jahren in Peking. Die meisten hatte – natürlich – das Viertelfinalspiel im Eishockey zwischen Tschechien und Kanada. Biathlon-Rennen erzielten ebenfalls eine hohe Einschaltquote.
Also übertreibt keineswegs, wer behauptet, dass die Übertragungen bei den wahren TV-Olympioniken hier wie dort zu einem emotionalen Ausnahmezustand vor der Glotze führten. Doch das hat nun ein Ende.
Keine persönlichen Bestleistungen mehr. Wie vom deutschen Eiskunstlauf-Paar Minerva Fabienne Hase und Nikita Volodinim Kurzprogramm mit 80,01 Punkten. Auch wenn’s am Ende statt erhofftem Gold „nur“ Bronze gab. Macht trotzdem Hoffnung für die Eiskunstlauf-WM Ende März in Prag. Wieder eine Medaille in der tschechischen Hauptstadt – ein durchaus realistisches Ziel. Vielleicht sogar wieder mit Bestnoten.
Und kein Kampf mehr Mensch gegen Mensch. Wie im Teamsprint der Frauen, als Coletta Rydzek mit einem beherzten Sprung ins Ziel noch Bronze sicherte. Was sie hernach mit ihrer Partnerin Laura Gimmler feierte wie Gold.

Was nun? Fragen sich die TV-Olympioniken, die keine Disziplin verpassen wollen. Egal, zu welcher Uhrzeit. Wieder Normalität bei Tage statt Olympia (mit Streams und all dem anderen TV-Beiwerk) bis tief in die Nacht? Keine wirkliche Option.
Vielleicht helfen Tipps für Menschen im dauerhaften Ruhestand. Also für Rentner. Schließlich sind auch TV-Olympioniken vorläufig im Ruhestand. Folgende Empfehlungen werden gerne gegeben:
– Langeweile zulassen: Kann schnell überfordern. Weil Langeweile vier Jahre lang ganz schön langweilig wird. Weshalb dieser Rat auch einen wichtigen Zusatz enthält: Wenn man die Langeweile aushält …
– Hund adoptieren: Und trainieren. Damit er ein Langläufer über die ganze Strecke wird und nicht nur ein Zielläufer. Also anders als der Hund, der bei Olympia 26 hinter zwei Langläuferinnen im Teamsprint ins Ziel kam. Obwohl: Ein Zielfoto erhielt er ja trotzdem.
– Strickzeug kaufen: War selbst für Athleten bei diesen Olympischen Spielen ein probates Mittel, um sich die Zeit zu vertreiben. Etwa für den Biathleten Adam Runnalls aus Kanada. Und angeblich sogar für die amerikanische Skifahrerin Breezy Johnson. Bevor sie Gold in der alpinen Abfahrt gewann. Pullover, Stirnbänder, Strümpfe, Schals – da kommt was zusammen bis Olympia 2030 in Frankreich.
– Politisch aktiv werden: Kein gutes Rezept für einen TV-Olympioniken, weil sich Politik aus dem Sport raushalten sollte. Obwohl, die kanadische Niederlage im Eishockey-Finale gegen die USA … Bei Anpfiff dachte man sofort an die Eishockey-WM 1972 zurück, als die ČSSR um Václav Nedomanský und Ivan Hlinka die unbesiegbaren Russen besiegte, nach dem Einmarsch der Russen im Jahr 1968. Wodurch sich diese Spieler schon zu Lebzeiten ein Denkmal in ihrem Heimatland schufen. Nun wünscht sich US-Präsident Trump ja bekanntlich Kanada als nächsten Bundesstaat der USA …
– Den Garten im Frühjahr auf Vordermann bringen: Vielleicht findet sich beim Ausgraben ja eine goldene Medaille, weil …
– … eigene Familiengeschichte näher betrachten: Möglicherweise gab’s in grauer Vorzeit gar einen Olympia-Teilnehmer in der eigenen Verwandtschaft.
– Mehr Zeit für Enkel: Um ihnen von den Olympischen Spielen 2026 in Norditalien zu erzählen.

– Endlich den Keller ausmisten: Damit dort genügend Platz für die DVDs von den Olympischen Spielen 2026 ist.
– Garage aufräumen: Falls der Keller zu klein für die vielen DVDs von den Olympischen Spielen 2026 ist.
– Einen Fernsehkreis gründen: Um all die tollen Entscheidungen von Olympia 2026 noch einmal zu erleben. Diesmal in großer Runde. Mit den DVDs aus dem entrümpelten Keller (und der Garage). Geteilte Freude ist schließlich doppelte Freude.
– Neue Sprache lernen: Und zwar von Ski-Freestyle. Damit man diese Künstler der Lüfte künftig versteht. Also ihre Backflips und Frontflips, Double Corks und Triple Corks. Ganz zu schweigen von One-eighty und Fourteen-Fourty. Solche Kurse bieten in Kürze sicher zahlreiche Volkshochschulen an.
– Dem Beispiel einer 93-Jährigen folgen: Die US-Amerikanerin geht noch immer fünfmal pro Woche in ein Fitnessstudio, wie Business Insider kürzlich berichtete. Hält sich mit Krafttraining, viel Gemüse und Hülsenfrüchten fit. Sowie durch soziale Kontakte. Was erstaunt, weil man vermuten könnte, dass sie all ihre Freundinnen schon überlebt hat.
– Auf Weltreise gehen: Und zwar bis in die französischen Alpen. Um vorab schon mal die olympischen Stätten zu besichtigen. Damit man weiß, was einen 2030 erwartet. Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude.
Ein paar Tage Zeit zur Entwöhnung bleiben noch. Diese Woche wiederholt Eurosport nochmals Höhepunkt der Spiele in Norditalien. Danach muss sich ein wahrer TV-Olympionike jedoch auf Empfehlungen von oben einlassen. Ganze vier Jahre lang.
Zum Glück gibt‘s jedoch eine Zwischenetappe auf dem langen Weg nach Frankreich zu Olympia 2030: Die Fußball-Weltmeisterschaft. Schon in dreieinhalb Monaten. Zum Glück!
Fotos: Gerda Pulito