Im Fußball tauchen zuweilen Parallelen auf, die erst auf den zweiten Blick erkennbar sind. Wie der Rauswurf von Ivan Hašek als Trainer der tschechischen Nationalelf und von Victor Kleinhenz als Coach des deutschen Drittligisten FC 05 Schweinfurt. Nicht nur, weil beide Übungsleiter mehr oder weniger überraschend entlassen wurden.
Hašek wurde im Oktober 2025 vor die Tür gesetzt. Obwohl Tschechien noch Tabellenzweiter in seiner Qualifikationsgruppe für die WM 2026 war. Und Kleinhenz im Februar 2026. Obwohl die Saison für den FC 05 in der dritten Liga schon absehbar mit dem Abstieg enden wird.
Ivan Hašek wurde zum Verhängnis, dass seine Elf kurz zuvor mit 1:2 bei Fußball-Zwerg Faröer-Inseln verlor und sich damit bis auf die Knochen blamierte. Was jedoch die Chance, sich über Play-Off-Spiele trotzdem für die WM zu qualifizieren, keineswegs minderte.
Die Freistellung von Victor Kleinhenz erfolgte nach einer Eingebung seines Präsidenten, die sich kein Außenstehender wirklich erklären kann. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als seine Mannschaft die Rückrunde stark verbessert begann, mit Sieg und Remis aus den ersten fünf Spielen.
Fast gleiche Amtszeit
Hašek betreute die Nationalelf zwischen Januar 2024 und Oktober 2025. Also 21 Monate lang. Doch schon seit Juni 25, genau seit der deutlichen 1:5-Niederlage seiner Elf in Kroatien, erwarteten Fans der tschechischen Nationalmannschaft seine Kündigung.
Kleinhenz war bei Schweinfurt 05 vom 1. Juli 2024 bis Februar 2026 angestellt. Also fast genauso lange im Amt wie Ivan Hašek. Doch schon in der Winterpause rechneten Fans der Schnüdel mit seiner Entlassung, weil der FC 05 mit weitem Abstand das Tabellenschlusslicht in der dritten Liga bildete.
Hašek wie Kleinhenz musste vorab klar sein, dass sie auf Schleudersitzen Platz genommen hatten. Denn als der Tscheche zu Jahresbeginn 2024 seinen Job antrat, war er bereits der neunte Nationaltrainer in den letzten 15 Jahren. Nur einer von ihnen, nämlich Jaroslav Šilhavý, hielt sich länger als fünf Jahre auf dem Posten (September 2018 bis November 2023).
Und als Kleinhenz im Sommer 2024 bei den Nullfünfern begann, hatte er sogar schon neun Vorgänger seit 2009. Nur einer von denen, nämlich Gerd Klaus, war länger als fünf Jahre Trainer der Schnüdel (Anfang Juli 2012 bis Ende Juni 2018.)

Seine letzte Pressekonferenz im Dienst des FC 05 bestritt Victor Kleinhenz am Abend des 15. Februar nach dem Spiel gegen den FC Ingolstadt. Gemeinsam mit Sabrina Wittmann, der einzigen Trainerin im deutschen Männer-Profifußball. Ausgerechnet sie, denn über ihre weitere Zukunft bei den Donaustädtern wurde eine Weile spekuliert, nachdem Schweinfurt dort im Herbst seinen ersten Sieg nach einem misslungenen Start in die Saison gefeiert hatte.
Der nun Ex-Trainer beklagte noch einmal altbekannte Fehler, also „viele einfache Ballverluste, zu wenige gewonnene zweite Bälle, fehlende Balance“. Aber, alles in allem, war er „zufrieden“. Kleinhenz strahlte Zuversicht für die kommenden Spiele aus und ahnte nicht im Geringsten, dass er schon zwei Tage später Nullfünfer-Trainergeschichte sein würde.
Der 34-Jährige war bis dato der jüngste Trainer in der dritten Liga. Dass man dort schnell mit Trainerfreistellungen bei der Hand ist, hat Kleinhenz längst gewusst. Denn mehr als ein Dutzend Übungsleiter mussten in dieser Saison schon vor ihm ihr Büro räumen.
Erst gefeiert, dann gefeuert
Einer von ihnen bekam den Laufpass, kurz nachdem er gegen den FC 05 spielte – und haushoch gewann. Benedetto Muzzicato übernahm Alemannia Aachen erst im Sommer und feierte noch am 8. Spieltag eine 5:1-Gala im Schweinfurter Sachs-Stadion, genau an seinem 47. Geburtstag. Der höchste Auswärtssieg für Aachen seit dem Aufstieg ein Jahr zuvor – und trotzdem keine Jobgarantie für Muzzicato: Schon nach dem 11. Spieltag musste er gehen.
Kaum eine Woche später erwischte es Nils Döring als Trainer von Wehen Wiesbaden. Weil sein Team nur einen Sieg aus den letzten sechs Spielen eingefahren und zuletzt zwei Niederlagen in Folge kassiert hatte. Zum Vergleich: Victor Kleinhenz „überlebte“ in Schweinfurt insgesamt 20 Niederlagen in 24 Spielen.
Seit Saisonbeginn gab es nicht weniger als 17 Veränderungen auf den Trainerbänken der dritten Liga. Einschließlich der Interimslösungen für wenige Wochen. Den Anfang machte Waldhof Mannheim, wo Dominik Glawogger nach nur zwei Spieltagen bereits seinen Hut nehmen musste.
Zwei Mal wechselten schon der 1. FC Saarbrücken und SSV Ulm 1846 während der laufenden Saison ihren Coach. Moritz Glasbrenner übernahm die Ulmer auf Platz 15 und gab sie zwei Monate später auf Platz 18 an Pavel Dotchev weiter. An der Saar arbeitete Jürgen Luginger ab Ende November für den Traditionsklub und nahm knapp eine Woche vor Kleinhenz in Schweinfurt wieder die Ausgangstür in Saarbrücken.

Hoffnung für Victor Kleinhenz und alle anderen macht das Beispiel Daniel Thioune. Zum Glück sei seine Mannschaft noch im Lostopf, sagte der Trainer des Zweitligisten Fortuna Düsseldorf nach dem hart umkämpften 4:2-Erfolg in Schweinfurt, erste Runde DFB-Pokal. Schon die zweite Runde erlebte er nicht mehr bei der Fortuna. Thioune wurde wenige Wochen nach dem Sieg in Schweinfurt geschasst. Nun trainiert er Werder Bremen in der Bundesliga.
Was Tschechiens Ex-Trainer und den früheren 05er-Coach ebenfalls eint: Für Ivan Hašek wurde Miroslav Koubek neuer Nationaltrainer. Zwar mit 40 Jahren Berufserfahrung, aber bereits 74 Jahre alt. Er soll nun die WM-Teilnahme der tschechischen Elf in den Play-offs in März retten.
Nachfolger von Victor Kleinhenz wurde Jermaine Jones. Zwar ein früherer Nationalspieler, aber ein unerfahrener Trainer für eine unerfahrene bzw. unerfahren spielende Schweinfurter Mannschaft. Er soll nun zu einem Zeitpunkt retten, nämlich den Klassenerhalt in Liga drei, wo nichts mehr zu retten ist.