Die Olympischen Winterspiele haben begonnen. Glamourös, wie bei Gastgeber Italien nicht anders zu erwarten. Die Sportler nehmen nun nach und nach ihre Wettbewerbe auf. Doch die Curler sind allen anderen schon wieder weit voraus. Sie haben bereits zwei Tage vor der Eröffnung geschoben, gefegt und gebrüllt. Mittendrin, von Anfang an: Natürlich die Tschechen.

Die Eröffnungsfeier (bzw. -feiern) wurde an vier verschiedenen Orten in NordItalien durchgeführt – für einen echten Curler dennoch keine Augenweide. Lieber friert bzw. schwitzt er auf seiner olympischen Eisbahn.

Wäre ein olympischer Fackelläufer aus Versehen dort eingetroffen, hätte ihn ein Curler vermutlich kurzerhand rausgeworfen. Damit er nicht sein „Haus“ zerstört. Also den Zielkreis. Wenn der Läufer nicht schon beim Einlauf in die Halle von einem der schweren Granitsteine am Fuß getroffen worden wäre, den ein hochkonzentrierter Skip gerade in Richtung Haus beförderte.  

Curling? Immer!

Aber das kennen wir ja schon von Olympia 2022. Oder war es Olympia 2018, als mich ein Kollege aus der Redaktion der „Prager Zeitung“ fragte, was noch am Abend bzw. in der Nacht über die Olympischen Winterspiele zu sehen sei?

Ich sparte mir damals den Blick in die Fernsehzeitung und antwortete sofort: Curling! Denn Curling ging immer. Wenn Fernseh-Verantwortliche aus Mangel an Entscheidungen verzweifelt nach sendefähigem Material suchten, dann wurden sie garantiert bei Curling fündig. Selbst die Mainzelmännchen des ZDF spielten in den Werbepausen Curling.

Mussten für andere Sportarten Wiederholungen und Konserven herhalten, bot Curling zu jeder Tages- und Nachtzeit frische Ware. Wenn die meisten Sportler schon schliefen, suchten die Curler immer noch einen Sieger. Manchmal war es auch umgekehrt: Wenn gar nichts mehr ging, dann lag irgendwo sicher noch eine Konserve mit Curling vom Tage.

Wird uns Curling auch bei diesen Olympischen Spielen immerfort begleiten? Klare Antwort: Selbstverständlich. Dafür genügte nun doch ein Blick in die TV-Zeitung:

Samstag, 7. Februar: Beginn der Olympia-Übertragung in der ARD um 10 Uhr. Erster Programmpunkt: Curling, Vorrunde Mixed Doubles.

Sonntag, 8. Februar: Beginn der Olympia-Übertragung im ZDF um 10.15 Uhr. Erster Programmpunkt: Curling, Vorrunde Mixed Doubles.

Montag, 9. Februar: Beginn der Olympia-Übertragung in der ARD um 9.50 Uhr.  Erster Programmpunkt: Curling, Vorrunde Mixed Doubles.  

Am Abend nicht anders. Dienstag, 10. Februar: Ende der Olympia-Übertragung im ZDF ab 22 Uhr. Ein Programmpunkt: Curling, Finale Mixed Doubles.

Mittwoch, 11. Februar: Ende der Olympia-Übertragung in der ARD ab 23.10 Uhr. Ein Programmpunkt: Curling, Vorrunde Herren.

Und Donnerstag, 12. Februar? Wieder das gleiche: Ende der Olympia-Übertragung im ZDF ab 21.55 Uhr. Ein Programmpunkt: Curling, Vorrunde Damen.

Doch an diesem Tag gibt es einen wesentlichen Unterschied. Da beginnt die Olympia-Übertragung im ZDF ab 9.05 Uhr – und auch dann schon wieder mit Curling. Vorrunde Damen. Damit hat Curling das olympische Programm endgültig okkupiert.

Siehe den folgenden Tag, Freitag, 13. Februar: Beginn der Olympia-Übertragung in der ARD um 9.05 Uhr. Erster Programmpunkt: Curling, Vorrunde Herren. Und auch in der frühen Olympia-Abendsession gegen 19.05 Uhr: Curling, Vorrunde Herren.

Es käme einem Wunder gleich, würde es Curling an diesem Tag nicht auch in die Primetime des Fernsehprogramms schaffen, ab 20.15 Uhr. Vorrunde Herren. Vielleicht auch Vorrunde Damen.

Pannen? Kein Problem!

Machen wir uns also nichts vor: Es wird auch bei diesen Olympischen Spielen kein Entrinnen vor Curling geben. Wobei sich Curler in ihrem olympischen Eifer nicht einmal durch Pannen stoppen lassen. Gleich zu Beginn ihres italienischen Turniers am letzten Mittwoch ging das Licht aus. Minutenlang, wegen eines Stromausfalls – egal, dann werden eben Besen geputzt.

Bei einem anderen Duell verrechneten sich die Schiedsrichter und erklärten das Spiel fälschlicherweise für beendet – geschenkt. Noch bevor der Irrtum auffiel, akzeptierten die vermeintlichen Verlierer die Entscheidung und unterschrieben sogar ihre Niederlage. Das ist wahrer olympischer Geist!

Selbstverständlich gingen auch die Tschechen gleich am ersten Tag aufs Eis. Die Pragerin Julie Zelingrová wird in ein paar Wochen erst 20 Jahre alt, ihr Partner Vít Chabičovský ist auch erst 21. Deshalb war die klare Niederlage gegen Kanada nicht wirklich von Relevanz. Ebenso wenig die folgenden Pleiten gegen Schweden, Großbritannien und die USA.

Tschechisches Team? Positive Stimmung!

„Julie und Vít mussten aufgrund des sehr konstanten Spiels der Gegnerinnen den Großteil des Matches verteidigen“, erkannte Nationaltrainer Wade Scoffin, „das Team bleibt positiv und bereitet sich in guter Stimmung auf die zweite Hälfte des Wettbewerbs vor.“ So soll es sein.

Deshalb nahm zumindest das tschechische Team unter den Curlern an der offiziellen Eröffnungsfeier in Cortina teil. Und nicht genug damit: Die tschechischen Curler waren sogar noch bei der zweiten Feier in Mailand dabei.

Drei Mitglieder des Herren-Olympiateams reisten dazu extra an. Lukáš Klípa, Lukáš Klíma und Martin Jurík flogen am Eröffnungstag morgens nach Mailand und fuhren dann im Olympischen Dorf mit dem Bus ins San Siro-Stadion zur Eröffnungsfeier.

Ein End? Ohne Ende!

„Am nächsten Morgen flogen wir zurück nach Prag, um zu trainieren und die letzten Vorbereitungen für die offizielle Abreise nach Cortina am Sonntagmorgen zu treffen“, erläuterte Lukáš Klípa. Nicht auszuschließen, dass der eine oder andere zuvor in einer nahen Mailändern Eishalle noch schnell ein paar Granitsteine schob, um so bald wie möglich in olympische Stimmung zu kommen.

Insgesamt ein weiterer Beweis dafür, dass keiner den olympischen Gedanken mehr lebt als die Curler: Dabeisein ist alles – und zwar so lange wie möglich! Also nicht nur vom ersten Moment an, sondern schon weit davor. Weshalb der tschechische Curling-Verband auf seiner Website die Länge der Olympischen Spiele (offiziell vom 6. bis 22. Februar 2026) anders definiert: 4. bis 22. Februar 2026.

Die Medaillenentscheidungen im Curling fallen am 10. Februar im Mixed, am 21. Februar bei den Männern und am 22. Februar bei den Frauen. Genau an diesem Tag sollen auch die Olympischen Spiele in Italien enden.

Hoffentlich gibt dann jemand den Curlern Bescheid, dass es selbst für sie ein End‘ mit ihren Ends hat. Sonst spielen sie diese Durchgänge bis zu den nächsten Olympischen Winterspielen 2030 in den französischen Alpen einfach weiter. Garantiert.

Titelfoto: AS Photography / Pexels