Vor ein paar Tagen haben wir telefoniert. Anlass war ihr 81. Geburtstag am 4. Februar. „Kein besonderer Tag für mich“, bekundete Evelyn Opela. Geboren im tschechischen Varnsdorf, wurde die Schauspielerin ab den 1970er in Deutschland zu einem Star. Schon vor sechs Jahren veröffentlichte die „Prager Zeitung“ einen offenen Brief an sie. Darin gab ich mich als Fan von ihr zu erkennen. Sie sei die erste Tschechin, die ich „kennengelernt“ habe, merkte ich an – wenn auch nur im Fernsehen. „Fan-Post für eine beeindruckende Schauspielerin“, überschrieb die PZ daher diesen Artikel.

Ein Jahr später, am 31. März 2021, rief mich Evelyn Opela plötzlich an. Ihre Stimme verriet, dass sie mein Artikel erfreut hatte. Ein gemeinsamer Bekannter aus Nordböhmen hatte ihr den Beitrag kurz vorher gegeben.

In einem Punkt widersprach die Schauspielerin jedoch. In meinem Text hatte ich vermutet, die Vielzahl an Rollen könnte ihr viel Neid eingebracht haben – was unter KollegInnen, wie allgemein unter Künstlern, nicht gerade selten ist. Und ich spekulierte, vielleicht sei sogar gemunkelt worden, dass sie manche Rolle ihrem Ehemann – dem bekannten Produzent Helmut Ringelmann – zu verdanken habe. Schließlich produzierte er viele ZDF-Serien, in denen sie mitwirkte.

„Das hat er nie gemacht“, stellte sie nachdrücklich fest, „mein Mann hatte mit meinen Rollen nichts zu tun.“ Es war auch nicht nötig, viel zu überzeugend agierte Opela in ihren verschiedenen Filmen. Bei der Gelegenheit empfahl sie mir ein Buch, das nach dem Tod von Ringelmann zu seinen Ehren herausgegeben wurde.

Ob er etwas mit Tschechien bzw. der Tschechoslowakei zu tun hatte, wollte ich wissen – mit Blick auf die Schwerpunkte in der Berichterstattung der „Prager Zeitung“. „Durchaus“, erwiderte sie, „das hatte er öfters.“ Ich möge mich diesbezüglich schlau machen und wieder auf sie zukommen, bot sie an.

Überraschender Anruf

Ich hatte nicht mit ihrem Anruf gerechnet. Schon gar nicht ein Jahr nach meinem Artikel. Entsprechend groß war meine Freude. Schon seit Beginn der 1970er Jahre blieb mir Evelyn Opela durch ihre Rollen im Gedächtnis. Sie prägte das Bild meiner Generation von einer Schauspielerin aus der Tschechoslowakei. Jenem von West-Deutschland so hermetisch abgeriegelten Nachbarland, getrennt durch eine fürchterliche Grenze, weshalb uns seine Menschen damals sehr fremd waren.

Mehr noch: Evelyn Opela zeigte uns auch, dass tschechische Frauen nicht immer Walküren in Kugelstoßringen sein müssen. Das deutete in den 1960er Jahren zwar schon Turn-Olympiasiegerin Věra Čáslavská an, doch hielten wir sie schlicht und einfach für eine Ausnahme von der Regel. Als eine Art Botschafterinihres Landes wollte sich Evelyn Opela jedoch niemals sehen, wie sie in unserem Telefonat bekundet. „Ich habe nur meinen Beruf ausgeübt, und das war’s“, erklärt sie mir.

Einiges von dem, was ich 2020 in dem „Brief“ schrieb, hat für mich bis heute Gültigkeit. Doch es machte Sinn, meine damaligen Hypothesen – nicht allein den Neid unter Kollegen – mit ihr persönlich zu besprechen. Nachdem ich ihre Telefonnummer von dem Bekannten bekommen hatte. Denn manche Vermutung basierte auf Artikeln in Zeitungen, die ich früher gelesen hatte. Gerade bei Prominenten müssen diese Quellen nicht immer richtig und wahr sein.

Maßgeschneiderte Rolle

Mir gefielen nie verträumte tschechoslowakische Kinder- und Märchenfilme, die seit Jahrzehnten die Herzen deutscher TV-Zuschauer erobern. Deshalb konnte mich auch nie – zum Beispiel – Libuše Šafránková beeindrucken, die (allzu) liebliche Hauptaktrice in „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.

Evelyn Opela war ganz anders. Sie machte sich praktisch zur gleichen Zeit wie die DarstellerInnen in diesen Märchen einen Namen in Deutschland – allerdings in handfesten, zuweilen fast brutal realistischen Rollen. Allen voran in dem Streifen „Das falsche Gewicht“ nach einem Roman von Joseph Roth aus dem Jahr 1971. Darin spielte sie eine Zigeunerin, die Einfluss über einen Eichmeister gewinnt, der Gewichte auf Märkten in einem weit abseits gelegenen Grenzdorf in Galizien kontrolliert und wegen seiner pedantischen Art ebenso mächtig wie verhasst ist.

Nein, als hart oder gar brutal habe sie ihre Rolle nicht empfunden, entgegnet sie nun entschieden. Und: Sie war für sie nicht wichtiger als andere. Deshalb habe sie sich später nicht explizit auf diesen Film berufen, wie in Zeitungen zu lesen war. „Wenn man zehn Filme im Jahr dreht, einen nach dem anderen, und dazu noch Theater spielt, dann ist das ist Beruf und nichts Besonderes“, schiebt sie mit Nachdruck hinterher.

„Gebrochener“ Qualtinger

Trotzdem schien sie für diese Rolle geradezu prädestiniert. Ihre weiche Stimme mit dem schönen slawischen Einschlag, die langen pechschwarzen Haare und ihr geheimnisvolles Lächeln bildeten einen spannenden Kontrast zur brachialen Urgewalt, mit der Helmut Qualtinger diesen Eichmeister darstellte. Mit verführerischer Ausstrahlung wickelte sie diesen Mann um den Finger, der so quälerisch agierte, dass sich mancher Zuschauer sogar vor dem Bildschirm vor ihm fürchtete.

Evelyn Opela interpretiert seinen Auftritt anders. „Er war ein gebrochener stiller Mann in dieser Rolle“, hält sie nun dagegen. Privat erlebte sie den großen Österreicher als „einen Intellektuellen.“ Möglicherweise schon „nicht ganz gesund“, als der Film Anfang der 1970er Jahre unter der Regie von Bernhard Wicki gedreht wurde, der dafür mehrere Auszeichnungen erhielt, so auch ein Filmband in Gold.

Dass Sie bald darauf in „Komm, Zigan“ zu sehen waren, einem TV-Mehrteiler über Zigeuner und ihre Darstellung in Oper und Operette, ließ mich fürchten, dass man Sie in Deutschland allzu schnell in einer Rollenschublade abgelegt hatte. Doch das war falsch, schrieb ich schon damals. Denn immer wieder wies sie nach, keine Klischees bedienen zu wollen. Dies bestätigt Evelyn Opela nun. „Ich habe so viele unterschiedliche Rollen gespielt, war auch eine Ärztin oder Lehrerin“, erinnert sie. Zu viele also für nur eine Schublade.

Großartiger Erler

Tatsächlich gelang ihr im folgenden Vierteljahrhundert ein bewundernswerter Spagat zwischen Anspruch und leichter Unterhaltung. Ebenso sinnlich wie unnahbar wirkte sie auch in dem Fernsehkrimi „Der Amateur“. Er handelte von einem Kassier, der Wind von einem Überfall auf seine Bankfiliale bekam und das Geld kurzerhand in seiner eigenen Büchse verschwinden ließ, später aber um seinen genialen Plan fürchten musste.

Er sei eben doch „nur ein Amateur“, ließ Opela ihn am Ende wissen, mit einem unvergleichlich spöttischen Lächeln. Regie führte Rainer Erler, ein hochdekorierter Autor und Regisseur, der immer eigenwillige, aber auch originelle Filme drehte.

„Leider lebt er nicht mehr“, bedauert die Schauspielerin, „Erler war ein sehr guter Regisseur.“ Er starb mit 90 Jahren im November 2023 in Australien. Und er besetzte sie Mitte der 1970er Jahre auch in „Das blaue Palais“, einer Science-Fiction-Serie im Fernsehen, über die danach in Deutschland heftig diskutiert wurde.

Kein Bock auf alte Filme

Sieht sie sich Filme wie diesen oder andere von früher, in denen sie spielte, heute noch ab und zu an? „Nein“, sagt Evelyn Opela, das mache sie nicht. „Das ist einfach ein Beruf, die Schauspielerei“, stellt sie mit Nachdruck fest, „man bekommt eine Rolle, und wenn sie gefällt und wenn es zeitlich passt, dann spielt man sie eben.“

Warum sie ihre verschiedenen Auftritte in Filmen heute nicht mehr sehen will, untermauert Evelyn Opela mit einem ungewöhnlichen Vergleich. „Man fragt einen Metzger ja auch nicht, ob er nur Rindfleisch oder nur Kalb verkauft…“

Zwei „Lümmel“-Meinungen

Weniger gefielen mir in jenen Jahren die zahlreichen „Lümmel“-Komödien, mit Titeln wie „Die Lümmel von der ersten Bank“ oder „Morgen fällt die Schule aus“, in denen sie mitwirkte. Für mich kommerzielle Massenware, die man für einen schlechten Scherz auf der Leinwand halten könnte – aus heutiger Sicht.

Evelyn Opela sieht es völlig anders. „Das war ein Riesenerfolg, diese Filme wurden damals viel gesehen und oft wiederholt“, beharrt sie. In der Tat beglückte die Reihe in den 1970er Jahren ein Millionenpublikum. „Die Drehbücher waren sehr gut, Regisseure und Besetzungen erstklassig“, ergänzt Opela, „ich habe ständig mit tollen Kollegen gearbeitet.“ Auch damit liegt sie nicht falsch. Denn sie spielte an der Seite von Uschi Glas, Hannelore Elsner, Theo Lingen, Gustav Knuth, Harald Juhnke, Hans Korte und Gila von Weitershausen – allesamt bis heute klangvolle Schauspieler.

Nichtsdestotrotz kann man diese Filme mögen oder nicht. Wie auch die Verfilmungen von Ganghofer-Romanen, aus denen sogenannte Heimatfilme wie „Schloss Hubertus“ entstanden. Auch darin war mit Karlheinz Böhm freilich ein Star jener Zeit ihr Filmpartner.

Freier Beruf – eben

Böhm bezeichnete seine Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder später oft als Höhepunkt seiner Filmarbeit. Für Evelyn Opela hatte der Neue Deutsche Film, den Regisseure wie Volker Schlöndorff, Werner Herzog und eben Fassbinder prägten, keine Rollen. „In freien Berufen läuft es eben mal so und mal so“, erklärt sie dazu lapidar am Telefon, „ich habe damals viel Theater gespielt.“

Evelyn Opela stammt aus Varnsdorf. Mich überraschte, dass sie schon 1967 nach Deutschland kam, ein Jahr bevor der Prager Frühling in der ČSSR seinen Höhepunkt erreichte. „Das war damals eine Entscheidung“, erklärt sie dazu lapidar, ohne näher auf die Gründe eingehen zu wollen. Laut „Wikipedia“ heiratete sie Mitte der 1960er Jahre den tschechischen Dirigenten Jaroslav Opéla und fogte ihm 1967 in die Bundesrepublik Deutschland.

Alte Berichte: Korrigiert

In alten Interviews wurde berichtet, dass Opela anfangs eine sehr schwierige Zeit in Deutschland hatte. Und dass man hier zu jener Zeit „Ausländer nicht besonders gemocht“ habe. „Das habe ich niemals gesagt“, widerspricht sie nachdrücklich. Ebenso dementiert sie die Aussagen über ihren Start. „Ich habe sofort in Deutschland gearbeitet und war hier sehr glücklich.“

Dass sie „für eine große Fernsehrolle 2.700 Mark“ bekommen habe und damit sehr zufrieden war, wie in einem Zeitungsartikel stand, stimme ebenfalls nicht. „Ich weiß nicht mehr genau, was ich damals verdient habe“, so Opela, „aber so wenig dürfte es nicht gewesen sein. Ich denke, meine Gagen waren höher, mehr als 3.000 Mark.“

Was sie dagegen bestätigt, sind frühere Angaben, dass sie bereits in der ČSSR bekannt war und nach ihrer Ausbildung an einer Prager Schauspielschule in einer Reihe von Filmen in ihrer Heimat mitgewirkt sowie am Theater spielte. Dies setzte sie auf großen Bühnen in Deutschland fort, neben ihren Auftritten in Film und Fernsehen.

Theater und/oder Film

Was mochte sie lieber, Film oder Theater? „Wenn Sie Theater spielen, dann wollen Sie drehen – und wenn Sie drehen, dann wollen Sie Theater spielen“, entgegnet die Aktrice. „Mir machte immer beides Spaß.“

Evelyn Opela wurde in Deutschland vor allem durch Serien enorm populär. Zunächst im ZDF-„Kommissar“, in den 1970ern ein wahrer Straßenfeger, als es nur zwei Fernsehsender gab. Dann in „Tatort“-Folgen oder im „Traumschiff.“ Ihre vielen Gastspiele in den populären Freitagabend-Krimis „Derrick“ oder „Der Alte“ machten sie praktisch zu einem Stammgast in deutschen Wohnzimmern.

Populär? Erneut wehrt sie ab. „Ich habe nur meinen Beruf gemacht.“ Darauf beharrt sie weiter. Bescheidenheit ist eine Zier. Doch selbstverständlich war sie damals ein Star. Warum sonst zierte sie immer auch Titel von Zeitschriften und Magazinen?! Zudem wirkte sie 1993 auch in dem Thriller „Night Train to Venice“ mit. Neben Berühmtheiten wie Hugh Grant und Malcolm McDowell, bekannt aus dem Filmklassiker „Clockwork Orange“. Wohl ihr internationalster Film.

Geheimnisvolle Frau

In den deutschen Fernsehserien agierte Evelyn Opela oft als attraktive und geheimnisvolle Frau. Geradezu auf den Leib geschneidert schien mit den Jahren ihr Auftreten als elegante Dame der Gesellschaft. Mit großen ausdrucksstarken Augen, auf die Filmkritiker immer besonders gerne hinwiesen. Und das wurde sie auch im echten Leben, nämlich ein Mitglied der Münchner Society und Glamour-Paar, durch ihre Heirat Mitte der 1980er Jahre mit Produzent Helmut Ringelmann.

Dass sie ihrer alten Heimat verbunden blieb, verneint sie. Einen Hinweis darauf lieferte ein früheres Interview mit ihrer eigenen Agentur. Demnach hatte Opela ihre Agentin in deren Heimatort Pilsen begleitet. „Weil sie die Sprache nicht konnte, wollte ich vermitteln“, erzählte sie in jenem Gespräch.

Nun also der 81. Geburtstag. Noch Wünsche für die Zukunft? „Nein“, sagt Evelyn Opela, „keinen Wunsch mehr.“ Freude bereitet und beste Unterhaltung geboten hat sie Fans und Zuschauern in den letzten Jahrzehnten vielfach. In ihren zahlreichen Filmrollen. Und im Fernsehen. Und auf Theaterbühnen.

Alles Gute und viel Gesundheit weiterhin, Evelyn Opela. 

Titelfoto: Fotografie Reimann / Pixabay