Jakob Tranziska, der ein Jahr lang bei Dynamo Budweis in der ersten tschechischen Liga spielte, traf noch am häufigsten ins gegnerische Tor. Doch auch er konnte nicht verhindern, dass der FC 05 Schweinfurt die schlechteste Vorrunde aller Klubs in der Geschichte der dritten Liga spielte. Berichte in überregionalen Medien verdeutlichen indes, dass für die Grün-Weißen neben viel Unvermögen oft auch fehlendes Glück im Spiel war.
Tranziska ist ein gläubiger Mensch. Darüber lässt er gegenüber Medien keinen Zweifel aufkommen. „In Tschechien zu Gott gefunden“ habe er, sagte der Mittelstürmer von Schweinfurt 05. Das war, als er 2024 ein Jahr lang für Dynamo Budweis in der höchsten Spielklasse Tschechiens spielte. Ausgerechnet in Tschechien, einem der atheistischsten Länder in Europa…
Auslöser für seinen Glauben sei auch gewesen, dass der gebürtige Coburger mit der tschechischen Sprache nicht zurechtkam. Deshalb habe er sich in Südböhmen oft allein gefühlt. Da war dann eben die Bibel ein Ersatz für Gespräche.
Seinen Glauben an den Klassenerhalt des FC 05 hat Tranziska, der in der Hinserie vier Treffer für Schweinfurt erzielte, allem Anschein nach jedoch verloren. Denn der Franke, der zuvor schon für die U23 von Bundesligist FSV Mainz 05 und beim österreichischen Zweitligisten Admira Wacker Mödling kickte, verließ in der Winterpause den Klub und spielt nun in Südkorea.

Kein Spielglück
Auch Karl-Heinz Rummenigge pflegt einen Glaubenssatz. „Die Tabelle lügt nicht“, wiederholt er oft und regelmäßig. Was der zweimalige Fußballer Europas (1980 und 81) damit sagen will: Jeder Klub steht in der Rangliste genau auf dem Platz, der seine Leistungsstärke widerspiegelt.
Logisch: Mit nur drei Siegen in 22 Partien und einer Tordifferenz von minus 34 müssen die Schnüdel – wie sie landauf, landab in Deutschland heißen – zwangsläufig den letzten Tabellenplatz in der dritten Liga belegen. Dennoch verkündet Trainer Victor Kleinhenz seit dem Sommer wie ein Mantra, dass seine Elf in dieser Liga mithalten kann. „Und irgendwann wird sich das Spielglück zu unseren Gunsten neigen“, hofft Kleinhenz in fast jeder Pressekonferenz.
Arbeitssiege
Die Siege der Nullfünfer in Ingolstadt, gegen die zweite Elf von Hoffenheim und zum Auftakt der Rückrunde gegen Viktoria Köln folgten dem Vereinsslogan „Wir arbeiten Fußball“, wurden also mit letztem kämpferischen Einsatz geholt. „Wir müssen immer über unsere Grenzen gehen, um bestehen zu können“, hat Trainer Kleinhenz längst erkannt.
Doch die Schnüdel hätten tatsächlich in einigen Partien mehr Punkte holen können – wenn ihnen jenes Glück beschert gewesen wäre, das sich Victor Kleinhenz seit langem wünscht. Dies bewiesen Spielberichte in überregionalen Medien schon in der Vorrunde. Und es wird in der Rückrunde allem Anschein nach nicht anders.
BR24: Nah am Ausgleich
„Schweinfurt war in der packenden Schlussphase nah am Ausgleich“, fasste BR24 seinen Bericht über die Heimpartie der 05er gegen Jahn Regensburg Ende Januar zusammen. In einem „emotionsgeladenen Schlagabtausch“ mit „blank liegenden Nerven“ nahmen jedoch die Gäste die Punkte trotz eines Platzverweises mit nach Hause.
Auch für den Kicker musste der Jahn das knappe Ergebnis „über die Zeit retten“ und durfte hernach seinen Keeper „bejubeln“, der einen Schweinfurter Abschluss in der letzten Minute des Spiels „überragend hielt.“
Schon eine Woche zuvor bemerkte das Fachblatt: „Cottbus zittert gegen Schweinfurt.“ Im Duell zweier Aufsteiger gewannen die Lausitzer, mittlerweile ein Aufstiegskandidat, nur knapp mit 2:1 gegen das abgeschlagene Schlusslicht der Tabelle.
Kicker: Köln ringt Schweinfurt nieder
Fehlendes Glück setzte schon im ersten Saisonspiel ein. Anfang August titelte der Kicker: „Viktoria Köln ringt Schweinfurt nieder“. Er kennzeichnete den Aufsteiger damit als unbequemen Gegner für die Westdeutschen, trotz ihres 2:0-Sieges.
Zumal die Schnüdel „in der Schlussphase durch einen Strafstoß noch die Chance hatten, heranzukommen“, wie der Live-Ticker in der Süddeutsche Zeitung endete.
Süddeutsche.de: Mehr drin ohne Platzverweise
Eine Woche später publizierte die Süddeutsche Zeitung den 2:0-Erfolg von Energie Cottbus in Schweinfurt im Live-Ticker so: „Hätte Schweinfurt nicht zwei Platzverweise kassiert, wäre hier sicherlich deutlich mehr drin gewesen.“
„Lucky Punch“ und „späte Erlösung“ wählte der Kicker als Attribute für den Sieg der Lausitzer, die ihre entscheidenden Tore bei den Nullfünfern erst in der 95. und 98. Minute erzielten.
BR24: Drama zum Schluss
„Drama zum Schluss“, urteilte BR24 nach diesem Heimspiel am 4. Spieltag, „Schweinfurt vergibt Elfer, Wiesbaden jubelt.“ Der Online-Dienst sprach von einer ausgeglichenen Drittliga-Partie, die am Ende durch einen verschossenen Elfmeter und einen Last-Minute-Treffer entschieden wurde. „Der 1.FC Schweinfurt 05 musste gegen Wehen Wiesbaden eine bittere Niederlage einstecken“, so das Fazit.
„Als alles nach dem ersten Drittliga-Punkt für die Gastgeber“ aussah, kassierte das „tapfere Schweinfurt“ in der 94. Minute noch einen Gegentreffer und scheiterte selbst mit einem Elfmeter in der 97. Minute, fasste der Kicker die unglückliche Heimpartie der Nullfünfer gegen Wehen Wiesbaden zusammen.
Sportschau.de: Letztlich glücklich für Saarbrücken
„Letztlich glücklich“ behielt der 1. FC Saarbrücken am 7. Spieltag drei Punkte, denn gegen Schweinfurt musste er seinen 2:1-Vorsprung „mit viel Kampf bis zum Abpfiff verteidigen“, wie im Live-Ticker bei Sportschau.de nachzulesen war.
Die Schnüdel drängten am Ende „mit großer Entschlossenheit“ und „um ein Haar hätte Geis den couragierten Auftritt seiner Mannschaft mit dem Ausgleich belohnt“, konstatierte der Kicker. Weshalb die Gastgeber „in der Schlussphase noch zittern“ mussten.
Kicker: Verl bringt Schweinfurt um den Lohn
„Verl bringt Schweinfurt um den Lohn“, stellte das Fachblatt am 10. Spieltag fest. Die „wacker kämpfenden Schweinfurter“ mussten sich erst in der 88. Minute geschlagen geben.
Und weil es so knapp war, „wollte Verl den möglichen 2:1-Sieg mit einem Wechsel in der 93. Minute über die Zeit retten“, resümierte man im Live-Ticker bei Sportschau.de. Ein Abschluss von Wintzheimer wurde in der 95. Minute gerade noch zur Ecke geklärt.
Kicker: Osnabrück müht sich in Schweinfurt zum Sieg
Mit der Schlagzeile „Osnabrück müht sich in Schweinfurt zum Sieg“ brachte der Kicker den Spielverlauf am 12. Spieltag auf den Punkt. Denn „Schweinfurt ließ kaum etwas zu, während es dem VfL an Ideen mangelte.“
Trotz eines 0:2-Rückstandes hatten die Nullfünfer „nach dem Seitenwechsel die Chance zum Ausgleich, doch der Pfosten verhinderte diesen“, lautete das Fazit im Live-Ticker der Süddeutschen.
Sportschau.de: Schweinfurt couragiert in Essen
Ein „umkämpftes Spiel“ gewann Rot-Weiss Essen gegen Schweinfurt 05 nach Meinung des Live-Spielbeobachters bei Sportschau.de nur „knapp mit 2:1.“ Denn „die Schweinfurter spielten, wie schon am vergangenen Wochenende, sehr couragiert mit“, auch wenn im Abschluss meist die Qualität fehlte.
Auch der Kicker merkte an, dass die Hausherren am Ende erst „nach hartem Kampf jubeln“ konnten, weil „die kämpferischen Schnüdel“ in der 43. und 50. Minute nur Aluminium trafen,
Kicker: Hansa spät erlöst
„Erlöst“ wurde Hansa Rostock laut Kicker „erst spät“, denn das 2:0 für den Gastgeber fiel in der Heimpartie gegen die Schnüdel kurz vor Abpfiff. Bis dahin hatten die Gäste die einzige Torchance in den ersten 15 Minuten und tauchten auch im zweiten Durchgang gefährlich vor dem gegnerischen Tor auf.
Weshalb sich die Norddeutschen in dieser Partie „nicht mit Ruhm bekleckerten“, so die Bilanz im Live-Ticker in der Süddeutsche Zeitung.
BR24: Echter Krimi gegen Wadhof
Für BR24 entwickelte sich die Heimpartie von Schweinfurt gegen Waldhof Mannheim „in der zweiten Halbzeit zu einem echten Krimi“. Zwar verlor der FC 05 mit 2:3, doch „mit etwas Glück hätte Tranziska zumindest einen verdienten Punkt retten können.“
Deshalb reichte es für die Gäste laut Kicker am 16. Spieltag auch nur „gerade so zum Dreier.“
Kicker: Ordentliche Portion Spielglück für 1860
„Eine ordentliche Portion Spielglück“ bescheinigte das Fachblatt eine Woche später dem TSV 1860 München, denn die Gäste aus Schweinfurt „schnupperten nach der Pause an der Führung.“
Doch brachte der FC 05 die Löwen „selbst auf die Siegerstraße“, so BR24. Letztlich „schenkt Schweinfurt 1860 mit einem Eigentor-Double den Sieg.“
Kicker: Kellerkracher
„Kellerkracher“ und „packendes Drittligaspiel“ – so beschrieben überregionale Medien das letzte Heimspiel der Schnüdel in der Vorrunde gegen Havelse.
Wobei für die Gastgeber laut Kicker das Motto galt: „Wie gewonnen, so zerronnen.“ Denn die 2:3-Heimpleite wurde damit eingeleitet, dass zwischen Führung für den FC 05 und Ausgleich „gerade einmal 18 Sekunden (!) Spielzeit“ lagen.

Zur Hinrunde der Nullfünfer gehörten neben Pech und Pfostenschüssen freilich auch mehrere verschossene Elfmeter und Platzverweise. Mithin also reichlich mangelnde Qualität, häufige individuelle Schwächen und fehlende Nervenstärke.
Folgt man dem Credo von Karl-Heinz Rummenigge, so bleibt mit Blick auf die Tabelle: Bereits 16 Punkte Rückstand aufs rettende Ufer – nämlich Platz 16 – machen das Ziel Klassenerhalt zu einer praktisch unlösbaren Aufgabe.
Selbst wenn den Nullfünfern das so herbeigesehnte Glück in der Rückserie mehr als bisher hold wäre.
Fotos: Klaus Hanisch